InfotafelGroßer Rundweg · Nº 15
Wimperfledermaus & Auerhuhn
Wie Fledermaus und Auerhahn klingen.
Erzählt von Klaus Gülker

Wimperfledermaus
Im Winter hält die Wimperfledermaus wie alle Fledermausarten Deutschlands Winterschlaf. Hierfür begibt sie sich in unterirdische Quartiere wie Höhlen, Stollen und Keller. Auch der Leopold-Stollen wird von der Wimperfledermaus als Winterschlafplatz aber auch als sogenanntes „Schwärmquartier“ genutzt. Hier treffen sich im Herbst die Männchen und Weibchen zum „Hochzeitstanz“, d.h. die Paarung findet statt.
Im Sommer nutzten die Wimperfledermaus-Weibchen Gebäudequartiere in Dachstühlen oft älterer Gebäude. Sie finden sich im sogenannten Wochen-stubenquartier im Mai zusammen und ziehen bis August ihre Jungen groß. Eine Wochenstubenkolonie der Wimperfledermaus kann aus mehreren hundert Weibchen bestehen. Die Wochenstubenquartiere werden über viele Jahre hinweg regelmäßig aufgesucht. Die Männchen übertagen im Sommer meist einzeln unter Dachvorsprüngen oder in Baumquartieren im Umfeld um das Wochenstubenquartier der Weibchen herum.
Ihre Nahrung, überwiegend Fliegen und Spinnen, sucht die Wimperfledermaus vor allem in Laub- und Laubmischwäldern, im Bereich von Feldgehölzen und in Obstwiesen. Besonders interessant ist, dass die Wimperfledermaus auch häufig in Viehställen auf Beutejagd geht.
Die Wimperfledermaus fliegt in einer Nacht von ihrem Quartier bis zu 16 km zu den Jagdgebieten. Dabei bewegt sie sich immer dicht entlang von Leitstrukturen wie Hecken, Waldrändern, Baumreihen und Feldgehölzen fort. Durch den offenen Luftraum bewegt sich die Wimperfledermaus selten. Auch hell beleuchtete Bereiche meidet sie auf ihren Flügen.
Für den Erhalt und Schutz der Wimperfledermaus ist es zum einen sehr wichtig, die Quartiere störungsfrei zu belassen, zu erhalten und zu schützen. Zum anderen braucht sie ausreichend Jagdhabitate und auch unbeleuchtete Leitstrukturen auf dem Weg dorthin.
Freiburger Institut für angewandte Tierökologie GmbH (FrInaT)
Auerhuhn
Das Auerhuhn lebt in hochmontanen Wäldern. Der Schwarzwald, beheimatet das letzte vom Aussterben bedrohte Vorkommen in Baden-Württemberg. Auch hier leben noch einige wenige Auerhühner am Schauinsland, am Hundsrücken und am Rappeneck.
Abseits von neugierigen Blicken lebt das tagaktive Auerhuhn als Einzelgänger. Nur zur Balz im Frühjahr versammeln sich Hähne und Hennen an den Balzarenen. Bei Sonnenaufgang beginnt die Balz der Hähne. Mit dem typischen Balzgesang und Drohgebärden werden Konkurrenten in die Flucht geschlagen. Nach erfolgreicher Paarung brütet die Henne heimlich 8-12 Eier in einem Bodennest aus. 26-28 Tagen später schlüpfen die Küken. In ihren ersten Lebenswochen verspeisen die Küken eiweißreiche Insekten, um möglichst rasch zu wachsen. Im Sommer ernähren sich die Küken zunehmend von Beeren, besonders den Heidelbeeren, die auch von den ausgewachsenen Hühnern verzehrt werden. Die Henne „führt“ die Küken bis sich das „Gesperre“ im Herbst auflöst. Im Winter stellen Kiefern-, Tannen- und Fichtennadeln die einzige, karge Nahrung dar. Zur Verdauung werden die Nadeln mit kleinen Magensteinchen (sog. Gastrolithen) zermahlen. Im Frühjahr, zur Balz, werden die letzten Reserven aktiviert, bevor junge Blätter und Knopsen neue Energie liefern.
Zum Schutz des Auerhuhns ist es notwendig ausreichend große, vernetzte Lebensräume zu erhalten und Störungen, besonders in den entbehrungsreichen Wintermonaten sowie der sensiblen Balz,- Brut- und Aufzuchtzeit zu vermeiden. Wir bitten Sie daher Rücksicht zu nehmen und auf ihrer Wanderungen auf den Wegen zu bleiben.
Auerhuhn im Schwarzwald e.V.
Abbildungen
Quellen
- Klaus S, Andreev V, Bergmann HH, Müller F, Porkert J, Wiesner J (1989) "Die Auerhühner."
- MLR 2019: Wildtierbericht für Baden-Württemberg 2018. Ministerium für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz (Hrsg.), Stuttgart
Bildnachweise
- Foto Copyright: J. Coppes
- Foto Copyright: FVA
- Foto Copyright: P. Holderried
- Foto Copyright: Klaus Echle




