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SkulpturGroßer Rundweg · Nº 12

Der schaffende Mensch

Von Grenzen und menschlichem Streben.

Erzählt von Sarah Scotti

Der schaffende Mensch
Abb. 1Der schaffende Mensch · 5 Abbildungen

Der Mensch zeichnet sich dadurch aus, dass er seine Umwelt und auch sich selbst gestaltet. Sichtbar gemacht wird dies in der Figur Homo Faber durch Hammer und Meißel, mit deren Hilfe sich die menschliche Gestalt, konzentriert und selbstvergessen, aus dem Baumstamm herausarbeitet. Das deutlich sichtbare Gehirn symbolisiert sein schier unbegrenztes schöpferisches Potential, durch welches er seine Umwelt und sich selbst formt.

Ebendiese Selbstformung geschieht auch durch den Einsatz von Technik. Mit ihrer Hilfe möchte der Mensch seine Fähigkeiten verbessern und seine Grenzen überschreiten. Besonders deutlich wird dies an den Grenzen des Lebens, welche durch technische Verfahren und Eingriffe formbar und, so die Hoffnung, kontrollierbar gemacht werden sollen. Für diese stehen der Embryo auf der Vorderseite sowie der Totenschädel auf der Rückseite der Figur. Jedoch erweist sich die Hoffnung, die Grenzpunkte menschlichen Lebens durch technische Intervention kontrollierbar zu machen, allzu oft als trügerisch. Die Endlichkeit und Fragilität des menschlichen Lebens ist auch durch Technik, durch das menschliche Schaffen nicht aufgehoben und bleibt somit auch im 21. Jahrhundert die Grenze, mit der der Mensch unweigerlich konfrontiert ist. Auch dieser Gedanke findet sich in der Skulptur wieder, indem sie den Lebensbogen des Menschen nachzeichnet: Vom hilflosen Embryo zum handelnden, kreativen und aktiven Menschen und schließlich bis hin zu dessen Tod – die Werkzeuge Hammer und Meißel bleiben zurück.

So kann die Figur Homo faber als Plädoyer gegen die Illusion einer vermeintlichen Planbarkeit und Beherrschbarkeit des Lebens verstanden werden. Ähnlich wie der Protagonist des gleichnamigen Romans von Max Frisch schmerzhaft erfahren muss, dass alle Wahrscheinlichkeiten und Berechenbarkeiten vom Leben und dessen schicksalhaften Fügungen unbarmherzig zermalmt werden, erkennt der Betrachter/die Betrachterin in der Skulptur die Begrenztheit menschlicher Schaffens- und Gestaltungskraft. Diese Erkenntnis verhindert eine zerstörerische Hybris, in welcher sich der Mensch als unverwüstlich und mächtig wähnt – mit teilweise verheerenden Folgen für das Zusammenleben und die Umwelt. An ihre Stelle kann eine Haltung der Demut treten. Im Annehmen der eigenen Begrenztheit weiß der Mensch sich selbst als verwundbar, als angewiesen auf andere, als nicht losgelöst von der Welt, in der er lebt – deswegen gilt es, auch in seinem Schaffen Verantwortung für diese Welt zu übernehmen.

Sarah Scotti im Dezember 2019

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